Die Uferpromenade Handelskade und die Queen-Emma-Brücke in Willemstad auf Curacao bei Nacht

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RechercheInternationale Medienrecherche; Vorwürfe bestritten und gerichtlich nicht geklärt.

CasinoSecrets: Wie geleakte Dokumente das undurchsichtige Curacao-Glücksspielgeschäft offenlegen

Geleakte Unterlagen der Glücksspielbehörde auf Curacao zeigen, wem einige der bekanntesten Offshore-Glücksspielmarken gehören, darunter Stake, 1xBet und Qbet. Für Deutschland am wichtigsten: Die Recherche verbindet das Platincasino mit dem Frankfurter Ermittlungsverfahren um 5,86 Milliarden Euro Spieleinsätze. Veröffentlicht wird sie seit dem 22. September 2026 unter dem Namen CasinoSecrets von mehreren europäischen Medien, darunter der NDR. [1]

Die Recherche beschuldigt nicht pauschal alle Unternehmen mit einer Lizenz aus Curacao. Sie konzentriert sich auf namentlich genannte Anbieter, deren Eigentümer, Zielmärkte oder Steuern Fragen aufwerfen, und darauf, wie die Behörde ihre Anträge behandelt hat. Mehrere Unternehmen bestreiten die Darstellung oder haben nicht geantwortet. Keiner der Vorwürfe ist gerichtlich geklärt, und das Frankfurter Strafverfahren und die Recherche beruhen nicht auf denselben Beweismitteln.

Wie das Leak entstand

Die Dokumente stammen von der Berliner Sicherheitsforscherin und Journalistin Lilith Wittmann. Nach Angaben von Follow the Money registrierte sie sich im Dezember 2025 im Lizenzportal der Behörde unter dem Namen eines dort bekannten Treuhandmanagers, aber mit ihrer eigenen E-Mail-Adresse, und erhielt binnen weniger Tage Zugang. [1] Die Curaçao Gaming Authority spricht von einem Konto unter falscher Identität, einem schweren Verstoß gegen das Recht auf Curacao und einem Zugriff, der bis September 2026 andauerte; sie will den Vorfall anzeigen. [2]

Wittmann teilte das Material mit Follow the Money, dem NDR, NRK, Jetzt und SVT. Follow the Money hat nach eigenen Angaben nur Dokumente vom Dezember 2025 verwendet und die Eigentümerangaben der damals 646 lizenzierten Unternehmen von Hand geprüft; das ergab rund 800 wirtschaftlich Berechtigte. [1] Am 23. September wurden mehr als 40.000 Dokumente in einer durchsuchbaren Datenbank veröffentlicht, mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass die Aufnahme in die Datenbank kein Fehlverhalten bedeutet. [3]

Das Platincasino

Nach Wittmanns Recherche war das Platincasino ab 2017 über die maltesische Red Rhino Limited lizenziert. Laut Unterlagen der maltesischen Glücksspielbehörde MGA war ein Frankfurter Unternehmer der einzige wirtschaftlich Berechtigte. [4] Nach der Öffnung des regulierten deutschen Marktes im Juli 2021 bewarben sich seine Firmen nach Wittmanns Angaben um eine deutsche Erlaubnis, erhielten sie aber nicht. [5] Die GGL verhängte 2023 ein Bußgeld von 50.000 Euro gegen Red Rhino, weil deutsche Spieler weiterhin auf Platincasino.com spielen konnten. [6]

Red Rhino zahlte nach Wittmanns Recherche noch deutsche Glücksspielsteuer, im Oktober 2022 allein rund 5,6 Millionen Euro. 2023 wurden Marke, Domains und Spielerdatenbank für 6 Millionen Euro an die Latiform B.V. auf Curacao verkauft. Für die Zeit danach fand Wittmann keine Belege für Steuerzahlungen in Deutschland. [4]

Was sich nach dem Verkauf änderte, und was nicht

Wittmann bezweifelt, dass sich mit dem Verkauf mehr als der formale Eigentümer geändert hat. Sie verweist auf den Kundensupport des Platincasinos, dessen Mitarbeitende sich über Zugänge der maltesischen Marke The Multiple anmelden, auf eine umbenannte Facebook-Seite, auf Videos von Betriebsfeiern aus den Jahren 2024 und 2026, auf denen der frühere Eigentümer zu sehen ist, und auf Stellenanzeigen für deutschsprachigen Casino-Support. [4] Zwei Firmen aus dem Umfeld, das sie diesem Unternehmer zuordnet, steigerten ihren Umsatz zwischen 2023 und 2024 deutlich: die eine von 54.000 Euro auf fast 34 Millionen Euro, die andere von null auf 6,7 Millionen Euro, verbucht als Affiliate-Marketing und Casino-Support. [5]

Das sind Rechercheergebnisse, keine gerichtliche Feststellung, dass der Verkauf zum Schein erfolgte oder dieselben Personen das Casino weiter kontrollieren.

Das Frankfurter Verfahren

Am 8. September durchsuchten mehr als 100 Einsatzkräfte elf Objekte, vor allem in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet, und nahmen einen Hauptbeschuldigten fest. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt wirft fünf Beschuldigten vor, seit mindestens Juli 2021 ohne deutsche Erlaubnis Online-Glücksspiel angeboten zu haben, mit Einsätzen von rund 5,86 Milliarden Euro bis Ende 2023. Den Steuerschaden allein für 2024 schätzt sie auf rund 77,6 Millionen Euro; gesichert wurden Vermögenswerte von etwa 82 Millionen Euro. [7]

Die Staatsanwaltschaft hat weder die Beschuldigten noch das Angebot genannt. Die GGL warnte in ihrer Stellungnahme zu dem Ermittlungserfolg jedoch ausdrücklich vor illegalen Angeboten „wie etwa Platincasino“ und kündigte an, Erkenntnisse aus Zahlungs- und Netzsperren weiter mit den Staatsanwaltschaften zu teilen. [8] Nach Wittmanns Angaben handelt es sich bei dem Festgenommenen um den Unternehmer, den sie mit Red Rhino in Verbindung bringt. Über seinen Anwalt ließ er die Vorwürfe als haltlos zurückweisen. [4] Über die Durchsuchungen haben wir ausführlich berichtet.

Von den Zahlen der Staatsanwaltschaft zu unterscheiden ist Wittmanns eigene Schätzung: Rund 250 Millionen Euro Glücksspielsteuer seien für das Platincasino von 2023 bis 2025 nicht gezahlt worden. Die Rechnung beruht auf der Annahme, dass 85 Prozent der Spieler aus Deutschland kamen, und auf aus Spielverlusten abgeleiteten Einsätzen. Sie ist weder ein Steuerbescheid noch ein Urteil. [5]

Softswiss und das White-Label-Modell

Seit dem Verkauf gehört das Platincasino laut Wittmann einer Firma, die sie dem Netzwerk um den Softwarekonzern Softswiss zuordnet. Sie beschreibt mindestens 55 Firmen rund um die Marke und ein „White-Label“-Modell, bei dem lizenzierte Gesellschaften auf Curacao Casinos für Dritte betreiben, die vor allem das Marketing übernehmen und am Umsatz beteiligt werden. Nach ihrer Berechnung verloren Spieler in diesen Casinos 2025 mehr als 1,75 Milliarden Euro. [9]

Softswiss weist das zurück. In einem Anwaltsschreiben vom 9. September, das der NDR-Recherchekanal STRG_F veröffentlichte, heißt es, der Konzern betreibe selbst keine Online Casinos; für das Platincasino habe man womöglich einzelne Softwarekomponenten oder Zugänge zu Spieleanbietern bereitgestellt. Das Schreiben hält zudem die deutsche Erlaubnispflicht für virtuelle Automatenspiele für rechtswidrig und gibt an, die betroffenen Firmen hätten mehrere hundert Millionen Euro deutsche Glücksspielsteuer unter Vorbehalt gezahlt. Die Curaçao Gaming Authority erklärte gegenüber STRG_F, eine gemeinsame technische Plattform mache aus getrennten Lizenznehmern kein einheitliches Netzwerk. [10]

Stake, 1xBet und die Rolle der Behörde

Follow the Money berichtet, dass die Prüfer der Behörde bei Stake bezweifelten, ob der eingetragene Eigentümer tatsächlich allein verantwortlich ist, nachdem sie Darlehen und Zahlungen in Höhe von teils Hunderten Millionen Dollar an Firmen und Personen aus dem Umfeld der bekannten Gründer gefunden hatten. Bei 1xBet vermuteten sie „mehrere Eigentümer“; die Lizenz wurde 2024 trotzdem erteilt. 1xBet erklärte, man könne nicht auf „Annahmen“ zu Dokumenten antworten, die man nicht gesehen habe. [1]

Die Behörde bestreitet nicht, dass einzelne Lizenzen mit offenen Fragen erteilt wurden. Sie verweist auf eine Übergangsphase nach der Reform von 2024, die Online-Anbieter erstmals unter direkte staatliche Aufsicht stellte, und nennt die Abgrenzung zwischen gezieltem Angebot und bloßer Annahme von Kunden „komplex“. [1] Seit der Reform folge sie „robusten internen Verfahren“. [2] Die MGA wiederum widerspricht gegenüber The Shift der pauschalen Bezeichnung grenzüberschreitender Angebote ihrer Lizenznehmer als „illegales Glücksspiel“. [5]

Der Rechtsstreit in Berlin

Die MGA, deren Systeme Wittmann nach eigenen Angaben im März 2026 ebenfalls betreten hatte, erwirkte im Mai vor dem Landgericht Berlin eine einstweilige Verfügung gegen sie (Az. 7 O 254/26 eV), gestützt auf angeblich falsche Tatsachenbehauptungen in sozialen Medien und einen unbefugten Download großer Datenmengen. Wittmann sprach von einem Versuch, sie zum Schweigen zu bringen. [11] Am 25. September veröffentlichte sie die erste Seite eines Urteils und schrieb, sie dürfe die Dokumente weiter nutzen und die MGA weiter als „organised crime enablement scheme“ bezeichnen, aber nicht erneut in ihre Systeme eindringen. Das Urteil ist nicht veröffentlicht, alle Angaben zum Ausgang stammen von Wittmann selbst. [12] Eine gerichtliche Feststellung, die MGA sei eine kriminelle Organisation, ist das nicht.

Was das für Spieler in Deutschland bedeutet

Eine Lizenz aus Curacao oder Malta ist keine deutsche Erlaubnis. Welche Anbieter eine deutsche Erlaubnis haben, zeigt die Whitelist der GGL; was der Unterschied für Schutz, Limits und Steuern bedeutet, erklären wir im Abschnitt zu Lizenz und Recht. Die Recherche zeigt vor allem, wie wenig ein Lizenzlogo darüber verrät, wer hinter einer Seite steht. Prüfen Sie deshalb vor einer Einzahlung, welche Gesellschaft das Casino betreibt und wie Auszahlungen und Beschwerden geregelt sind.

Unabhängig davon gingen in Manchester Polizei, Gambling Commission und Stadtverwaltung gegen mutmaßlich illegales Glücksspiel vor, mit vier Festnahmen und mehr als 20.000 Pfund sichergestelltem Bargeld. [13] Die Fälle hängen nicht zusammen.

Was offen ist

Niemand, der in der Recherche genannt wird, ist verurteilt. Im Frankfurter Verfahren ist keine Anklage bekannt. Die 250 Millionen Euro sind eine journalistische Schätzung, das Berliner Urteil ist nicht öffentlich, und die Behörde auf Curacao hat noch nicht mitgeteilt, welche Daten genau abgeflossen sind. [2]

Wer merkt, dass das Spielen außer Kontrolle gerät, findet Hilfe und Sperrmöglichkeiten, darunter die bundesweite Sperrdatei OASIS.

Quellen

  1. Follow the Money: Curaçao's secretive gambling industry exposed in leak
  2. Curaçao Gaming Authority: Follow-up on unauthorized access to the CGA online gaming portal (22 Sept 2026, PDF)
  3. Casino Secrets: document database (curacaofiles.com)
  4. Lilith Wittmann: Wem gehört das Platincasino?
  5. The Shift News: MGA defends regulatory framework amid alleged €250 million gambling tax evasion
  6. Lovin Malta: Hacked MGA files point to Malta in Germany's biggest illegal casino case
  7. Tagesschau: Fast sechs Milliarden Euro mit illegalem Online-Glücksspiel umgesetzt
  8. GGL: GGL begrüßt erfolgreichen Schlag gegen illegales Glücksspiel in Milliardenhöhe
  9. Lilith Wittmann: Softswiss – Milliardenbusiness in Berlin
  10. Bitcoin.com News: Curaçao's 'Casino Secrets' exposed in regulatory leak as firms push back
  11. JUVE: Malta geht mit Bird & Bird gegen Anti-Glücksspiel-Aktivistin vor
  12. NEXT.io: Hacker behind Curaçao data dump reportedly cleared to use MGA docs
  13. Gambling Commission: Four arrests and £20,000 seized in illegal gambling raids

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Über die Autorin

Leoni Richter

Redakteurin, PlayFrankCasino

Leoni Richter schreibt die deutschsprachigen Casino-Vergleiche von PlayFrankCasino. Sie prüft bei jedem Casino dieselben Punkte: Betreibergesellschaft und Lizenz, ob Spieler aus Deutschland angenommen werden, Zahlungsmethoden für Ein- und Auszahlung, Auszahlungszeiten und Obergrenzen sowie die Bonusbedingungen mit Umsatz, Höchsteinsatz und Frist. Die Zahlen stammen aus den Bedingungen der Casinos, und der Vergleich wird aktualisiert, sobald sich daran etwas ändert.