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ErmittlungenLaufendes Ermittlungsverfahren; keine rechtskräftige Verurteilung.
Deutsche Ermittler gehen gegen mutmaßliches illegales Online-Glücksspielnetzwerk mit 5,86 Milliarden Euro Spieleinsätzen vor
Deutsche Ermittler sind nach einem mehr als dreijährigen verdeckten Verfahren gegen ein mutmaßliches Netzwerk illegaler Online-Glücksspielanbieter vorgegangen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt sollen fünf Beschuldigte seit mindestens Juli 2021 gewerbsmäßig und bandenmäßig Online-Glücksspiele, vor allem virtuelle Automatenspiele, ohne die erforderliche deutsche Erlaubnis angeboten haben. [1][4]
Am 8. September 2026 wurden elf Objekte durchsucht, vor allem in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet, aber auch in Köln. Gegen einen Hauptbeschuldigten wurde ein Haftbefehl des Amtsgerichts Frankfurt vollstreckt. Namen der Beschuldigten und der betroffenen Websites hat die Staatsanwaltschaft nicht genannt. Insgesamt waren mehr als 100 Einsatzkräfte beteiligt. Zu den beteiligten Stellen gehörten die Staatsanwaltschaft Frankfurt, die Steuerfahndungsstelle des Finanzamts Frankfurt, das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität in Nordrhein-Westfalen und die Frankfurter Polizei. [1][3][4]
Die Ermittler gehen davon aus, dass über die mutmaßlich illegal betriebenen Plattformen allein zwischen Juli 2021 und Ende 2023 Spieleinsätze von rund 5,86 Milliarden Euro abgewickelt wurden. Zusätzlich besteht der Verdacht, dass die auf die Glücksspiele entfallenden Steuern nicht oder nicht vollständig abgeführt wurden. Der mögliche Steuerschaden für das Jahr 2024 wird auf rund 77,6 Millionen Euro geschätzt.
Vermögenswerte in Höhe von etwa 82 Millionen Euro wurden gesichert. Dazu gehörten mehrere hochwertige Fahrzeuge und gepfändete Konten. Die Maßnahmen sind Teil des Ermittlungsverfahrens und stellen keine rechtskräftige Einziehung nach einem abgeschlossenen Gerichtsverfahren dar.
Was bedeutet die Summe von 5,86 Milliarden Euro?
Die Summe beschreibt nach den bisherigen Angaben die Spieleinsätze, die über die Plattformen abgewickelt worden sein sollen. Sie bedeutet nicht, dass die Beschuldigten 5,86 Milliarden Euro als Gewinn erzielt haben.
Bei Online-Glücksspielen können Einsätze und Gewinne wiederholt in den Spielkreislauf gelangen. Deshalb sind Spieleinsätze, Bruttospielertrag, Gewinn und Steuerschaden unterschiedliche Kennzahlen.
Die Größenordnung ist trotzdem bemerkenswert. Auf die 30 Monate verteilt entspricht sie im Schnitt rund 2,34 Milliarden Euro pro Jahr. Der gesamte legale deutsche Markt für virtuelle Automatenspiele kam 2025 auf etwa 4,57 Milliarden Euro an Spieleinsätzen. Das mutmaßliche Netzwerk hätte damit ein Volumen von mehr als der Hälfte des legalen Marktes bewegt. [4]
Was sagt der Fall über den Schwarzmarkt in Deutschland?
Die Durchsuchungen haben die Debatte über die Größe des illegalen Online-Glücksspielmarkts neu entfacht. Der Tätigkeitsbericht 2025 der GGL beziffert den Anteil unerlaubter Angebote am Bruttospielertrag im Online-Markt für 2024 auf 23 Prozent, also 547 Millionen Euro. Branchenzahlen auf Basis von Nielsen-Daten kommen auf rund 56 Prozent. [4][5]
Die Verbände der lizenzierten Anbieter begrüßten die Razzia. Der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) fordert, die offiziellen Schätzungen zur Größe des Schwarzmarkts gründlich zu überprüfen. Der Deutsche Online Casinoverband (DOCV) erklärte, die Zahlen aus den Ermittlungen passten nicht zu den Schätzungen der Behörde, und fordert ein bundesweites Lizenzmodell für Online Casinos. [4][5]
Inzwischen fordert die GGL selbst mehr direkte Befugnisse. Im Interview mit der Mitteldeutschen Zeitung, über das am 23. September berichtet wurde, sagte Co-Präsident Ronald Benter, die Regelungen im Glücksspielstaatsvertrag seien teils sehr detailliert und ließen sich nur langsam ändern, während sich der illegale Markt sehr dynamisch entwickle. Er rief die Staatsanwaltschaften auf, häufiger Verfahren gegen Personen im Ausland einzuleiten, die ohne Erlaubnis deutsche Spieler ansprechen. Das geschehe bislang so gut wie nie. Die GGL unterstützt Staatsanwaltschaften nach eigenen Angaben mit Erkenntnissen aus Zahlungs- und Netzsperren. [6]
Die Razzia fiel in dieselbe Woche wie das jährliche Treffen der deutschsprachigen Glücksspielaufsichten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein (DACHL) am 9. und 10. September in Bern. Die Behörden bezeichneten das illegale Online-Angebot als derzeit größte Herausforderung für die Glücksspielaufsicht und vereinbarten, ihre grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu vertiefen. [7]
Was bedeutet der Fall für Spieler?
Der Fall zeigt, wie groß ein Angebot ohne deutsche Erlaubnis werden kann, bevor die Behörden eingreifen. Ob ein Anbieter eine deutsche Erlaubnis hat, lässt sich in der amtlichen Whitelist der GGL prüfen. Eine ausländische Lizenz ersetzt sie nicht, und Anbieter ohne deutsche Erlaubnis sind weder an LUGAS noch an die Sperrdatei OASIS angebunden. Vor einer Einzahlung lohnt sich deshalb ein Blick darauf, wer die Website betreibt, welche Behörde die Lizenz ausgestellt hat und wie Auszahlungen und Beschwerden geregelt sind.
Eine nicht lizenzierte Website ist nie ein Weg, Einzahlungslimits, Sperren oder andere Schutzmaßnahmen zu umgehen. Wer Verlusten hinterherspielt, braucht Unterstützung, kein neues Konto.
Mit dem Frankfurter Verfahren hat die Razzia in Manchester nichts zu tun. Dort nahmen Greater Manchester Police, Gambling Commission und Manchester City Council in einer separaten Aktion vier Personen fest und stellten mehr als 20.000 Pfund sicher. [2]
Wie geht es weiter?
Die Ermittlungen können zu Anklagen und einem Gerichtsverfahren führen. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung gilt die Unschuldsvermutung.
Quellen
- Tagesschau: Fast sechs Milliarden Euro mit mutmaßlich illegalem Online-Glücksspiel umgesetzt
- Gambling Commission: Vier Festnahmen und 20.000 Pfund bei Razzien beschlagnahmt
- Focus Gaming News: Coordinated raids target illegal online gambling operation in Germany
- Casino.org: €5.86B German illegal casino bust challenges black-market estimates
- iGaming Business: German law enforcement raids suspected €5.8bn illegal online gambling ring
- SBC News: GGL calls on direct powers to combat black market gambling
- Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK): DACHL-Treffen in Bern stärkt internationale Zusammenarbeit gegen illegales Geldspiel